WER, wenn nicht WIR?! Das Aktionsforschungsseminar 2016 – eine Replik

WER, wenn nicht WIR?! Zugehörigkeit – Macht – Partizipation
Replik auf das Aktionsforschungsseminar 2016 von Andrea Tippe

Rund 20 SeminarteilnehmerInnen, vier KooperateurInnen und fünf GruppendynamiktrainerInnen gestalteten die gruppendynamische Forschungswerkstatt im September 2016 in Linz. Die leitenden Fragen waren:

  • Wie werden in der sozialen Navigation unterschiedlichster Zugehörigkeiten Freiräume ausgelotet und behauptet?
  • Wo und wie entstehen Konflikte zwischen unterschiedlichen Zugehörigkeiten?
  • Wie wird in einem „neuen Raum“ Zugehörigkeit kreiert?
  • Mit wem möchte man ein gefühltes Wir erreichen? Und wenn „wir“ es wollen, wie können wir dies?

Schon in den vorbereitenden Aktionsforschungsworkshops im Frühjahr 2016, bei denen mit Texten von Cornelia Edding („Wann helfen wir einander? Befunde zur Bedeutung der Gruppenzugehörigkeit“) und Joanna Pfaff-Czarnecka („Zugehörigkeit heute“) gearbeitet wurde, sind Dimensionen der Zugehörigkeit diskutiert worden. Im Aktionsforschungsseminar kamen spannende Aspekte und Impulse zu Tage, die hier aus subjektiver Sicht zur Verfügung gestellt werden:

  • Zugehörigkeit entsteht in unterschiedlichen sozialen Räumen, wo Konstellationen von Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit stabilisiert werden. Interaktions- und Kommunikationsverhältnisse sowie Wissensvorräte steuern unser individuelles Verhalten und tragen zur Entstehung einer sozialen Welt im Hier-und-Jetzt bei.
  • Könnten wir nicht anstatt von „Zugehörigkeit“ über Gruppe sprechen? Gruppe ist ein soziales System, dessen Sinnzusammenhang durch unmittelbare und diffuse Mitgliedsbeziehungen sowie durch relative Dauerhaftigkeit bestimmt ist. Damit handelt es sich auch um wichtige Elemente die „Zugehörigkeit“ fassen lassen. Zugehörigkeit (Tyrell) ist das tragende Prinzip des Systemtypus Gruppe. Zu den wichtigsten Merkmalen der Zusammengehörigkeit gehören
    – die interaktionistische Verfassung und Verdichtung,
    – persönliche Attraktion der Mitglieder,
    – die Thematisierung der Abwesenheit von Mitgliedern,
    – Regeln der Teilhabe,
    – alle mit allen.
  • Im Seminar selbst wurde viel soziales Wissen ausgehandelt, um die multiplen Konstellationen, Verbundenheit und Zugehörigkeiten bewusster wahrzunehmen. Eine Arbeitsgruppe stellte ein beeindruckendes Ergebnis im Prozess beispielsweise so dar: die einfache Lösung, kann es nicht eine einfache Lösung für Zugehörigkeit geben? Ja, war die Antwort – Zugehörigkeit bildet sich, wenn jemand etwas mitteilt und darauf wirklich geantwortet wird. Zugehörigkeit braucht zur Ausbildung derselben Verbindlichkeit und Verantwortung, eine Antwort zu geben.

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Über andreatippe

Linz. Gruppendynamiktrainerin (ÖAGG), Organisationsberaterin (DUK), Supervisorin (ÖVS, ÖAGG). Geschäftsführung OE263.
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