Fünf Zitate zu „Macht“

Die Auseinandersetzung mit Fragen von Machtverhältnissen und dem Phänomen von Macht an sich ist gewissermaßen von zeitloser Aktualität. In den folgenden Zitaten, die nur eine mögliche Auswahl vieler weiterer möglicher Beschreibungen von und Überlegungen zu Beobachtungen von „Macht“ ist, kommen unterschiedliche Zusammenhänge und Herangehensweisen zum Ausdruck, die zur eigenen und gemeinsamen (diskursiven) Annäherung an das Thema instruktiv sind.

ZITAT 1:

„Macht von A bewirkt, dass B gegen seinen eigenen Willen ein bestimmtes Verhalten setzt. Die Macht von A beschränkt in diesem Fall die Freiheit von B.“
(Byung-Chul Han [2010]: Was ist Macht? Stuttgart: 9.)

und

„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“
(Max Weber [1920]: Soziologische Grundbegriffe. In: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen 1976: 1-30.)

ZITAT 2:

„Insbesondere sozial-anthropologische Studien in Bauerngesellschaften haben in den letzten Jahrzehnten eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig die Waffen der Schwachen aussehen können. Sie verfügen über ein Arsenal von Möglichkeiten, sich den Mächtigen zu entziehen. Durch Formen passiven Widerstands wie Bummeln, Desertieren, Dienst nach Vorschrift oder andere Entzugsstrategien lassen sie die Aufoktroyierung von Willen nicht einfach passiv und ausschließlich auf auf die Gewaltandrohung starrend mit sich geschehen, sondern gestalten die Situation selbst mit.“
(Erdmute Alber [2003]: Machttheorien. In: Sociologicus. Zeitschrift für empirische Ethnosoziologie und Ethnopsychologie. Vol. 53, Heft 2: 152.)

ZITAT 3:

„Der Grund dafür, dass die Macht herrscht, dass man sie akzeptiert, liegt ganz einfach darin, dass sie nicht nur als neinsagende Gewalt auf uns lastet, sondern in Wirklichkeit die Körper durchdringt, Dinge produziert, Lust verursacht, Wissen hervorbringt, Diskurse produziert; man muss sie als ein produktives Netz auffassen, das den ganzen sozialen Körper überzieht und nicht so sehr als negative Instanz, deren Funktion in der Unterdrückung besteht.“
(Michel Foucault [1978]: Wahrheit und Macht. Interview mit A. Fontana und P. Pasquino. In: Dispositive der Macht. Michel Foucault. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin: 35.)

ZITAT 4:

„Die Macht gewinnt an Stabilität, wenn sie im Lichte des Sinns oder des Sinnvollen erscheint. Sie wird sich also einem Sinnhorizont einschreiben oder gar einen Sinnhorizont bilden müssen, um den Verstehens- und Handlungsprozess effektiv steuern zu können.“
(Byung-Chul Han [2010]: Was ist Macht? Stuttgart: 38.)

ZITAT 5:

„Macht entspricht der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Über Macht verfügt niemals ein Einzelner; sie ist im Besitz einer Gruppe und bleibt nur solange existent, als die Gruppe zusammenhält.“
(Hannah Arendt [1970]: Macht und Gewalt. München: 45.)

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Über thomas kreiml

Soziologe und Gewerkschafter in der GPA-djp Bildungsabteilung | Arbeitsbereiche: Gewerkschaftliche Bildungsarbeit, Bildungspolitik, Netzpolitik (Internet/Social Media) | about.me/kreimlink
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